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Schlafapnoe diagnostizieren: Schlaflabor, AHI und Untersuchungen

Eine obstruktive Schlafapnoe bleibt häufig lange unentdeckt. Viele Betroffene bemerken ihre nächtlichen Atemaussetzer selbst nicht und kennen auch die anderen Anzeichen nicht.

Inhaltsverzeichnis

Lautes Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer und ausgeprägte Tagesmüdigkeit können auf eine obstruktive Schlafapnoe hinweisen. Ob tatsächlich eine schlafbezogene Atmungsstörung vorliegt, lässt sich anhand der Symptome allein jedoch nicht zuverlässig feststellen.

Für die Diagnose werden Atmung und weitere Körperfunktionen während des Schlafs untersucht. Ein wichtiger Messwert ist der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Er gibt an, wie häufig es durchschnittlich pro Stunde Schlaf zu Atemaussetzern oder einer deutlichen Verringerung des Atemflusses kommt.

Soll eine anatomisch begründete operative Behandlung geprüft werden, können anschließend weitere Untersuchungen der Atemwege sowie der Kiefer- und Gesichtsstrukturen notwendig sein.

Wann sollte Schlafapnoe
untersucht werden?

Eine schlafmedizinische Abklärung kann insbesondere sinnvoll sein bei:

  • beobachteten Atemaussetzern
  • lautem und unregelmäßigem Schnarchen
  • ausgeprägter Tagesmüdigkeit
  • nicht erholsamem Schlaf
  • morgendlichen Kopfschmerzen
  • Konzentrationsproblemen
  • nächtlichem Luftschnappen oder Erstickungsgefühl
  • bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung mit weiteren Hinweisen auf Schlafapnoe

Häufig sind es Partner*innen, die nächtliche Atempausen zuerst bemerken.

Wie wird eine Schlafapnoe
festgestellt?

Die Diagnose erfolgt schrittweise.

Am Anfang stehen in der Regel ein ausführliches ärztliches Gespräch und die Erfassung der Beschwerden.

Dabei können unter anderem folgende Fragen eine Rolle spielen:

  • Wie ausgeprägt ist die Tagesmüdigkeit?
  • Wird regelmäßig geschnarcht?
  • Wurden Atemaussetzer beobachtet?
  • Bestehen relevante Begleiterkrankungen?
  • Gibt es bekannte Risikofaktoren?

Bei begründetem Verdacht folgen objektive Messungen der Atmung während des Schlafs.

Ambulante Schlafdiagnostik

Eine erste Untersuchung kann bei geeigneter Fragestellung ambulant erfolgen.

Dabei werden während des Schlafs verschiedene Parameter aufgezeichnet, beispielsweise:

  • Atemfluss
  • Atembewegungen
  • Sauerstoffsättigung
  • Herzfrequenz
  • Schnarchgeräusche
  • Körperposition

Die Untersuchung kann wichtige Hinweise darauf liefern, ob eine schlafbezogene Atmungsstörung vorliegt.

Je nach Ergebnis und klinischer Situation kann anschließend eine weiterführende Untersuchung notwendig sein.

Untersuchung im
Schlaflabor

Die ausführlichste schlafmedizinische Untersuchung ist die Polysomnographie im Schlaflabor.

Dabei werden neben der Atmung weitere physiologische Signale während des Schlafs aufgezeichnet.

Dazu können gehören:

  • Hirnaktivität
  • Augenbewegungen
  • Muskelaktivität
  • Herzaktivität
  • Atemfluss
  • Atembewegungen
  • Sauerstoffsättigung
  • Körperposition

Dadurch lässt sich nicht nur beurteilen, ob Atemstörungen auftreten, sondern auch, in welchen Schlafphasen sie vorkommen und wie sie den Schlaf beeinflussen.

Was bedeutet der
AHI?

Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) gehört zu den wichtigsten Kennzahlen bei der Beurteilung einer Schlafapnoe.

Er beschreibt die durchschnittliche Anzahl von Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf.

Eine Apnoe bezeichnet dabei einen Atemaussetzer. Bei einer Hypopnoe ist der Atemfluss deutlich reduziert.

Bei Erwachsenen wird häufig folgende Einteilung verwendet:

  • AHI unter 5: im Allgemeinen kein pathologischer AHI
  • AHI 5 bis unter 15: leichte Schlafapnoe
  • AHI 15 bis 30: mittelgradige Schlafapnoe
  • AHI über 30: schwere Schlafapnoe

Der AHI ist wichtig, darf jedoch nicht isoliert betrachtet werden.

Bedeutet ein hoher AHI automatisch
eine schwere Erkrankung?

Ein hoher AHI spricht für eine hohe Zahl nächtlicher Atemereignisse. Für die individuelle Beurteilung sind jedoch weitere Faktoren relevant.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Ausmaß der Sauerstoffabfälle
  • Tagesmüdigkeit
  • Dauer der Atemereignisse
  • Schlafqualität
  • Begleiterkrankungen
  • Alter
  • individuelle Symptomatik

Zwei Patient*innen mit einem ähnlichen AHI können deshalb unterschiedlich stark beeinträchtigt sein.

Die Therapieentscheidung sollte nicht allein anhand einer einzelnen Zahl getroffen werden.

Welche Rolle spielt
die Sauerstoffsättigung?

Während einer Apnoe oder Hypopnoe kann der Sauerstoffgehalt des Blutes absinken.

Deshalb wird im Rahmen der Schlafdiagnostik auch die Sauerstoffsättigung gemessen.

Relevant können unter anderem sein:

  • Stärke der Sauerstoffabfälle
  • Häufigkeit der Abfälle
  • Dauer niedriger Sauerstoffwerte

Diese Informationen ergänzen den AHI und helfen dabei, die nächtliche Atemstörung genauer zu beurteilen.

Was bedeutet
leicht, mittelgradig oder schwer?

Die Einteilung des Schweregrades hilft dabei, die Erkrankung einzuordnen und mögliche Therapieoptionen zu prüfen.

Eine leichte Schlafapnoe muss nicht zwangsläufig dieselbe Behandlung erfordern wie eine schwere Erkrankung.

Bei einer mittelgradigen oder schweren obstruktiven Schlafapnoe können abhängig von Beschwerden, Begleiterkrankungen und individueller Situation umfangreichere therapeutische Maßnahmen notwendig sein.

Welche Behandlung geeignet ist, sollte deshalb immer individuell entschieden werden.

Warum reicht die Schlafdiagnostik für
eine mögliche Operation nicht aus?

Die Schlafdiagnostik beantwortet vor allem zwei zentrale Fragen:

Liegt eine Schlafapnoe vor?

und

Wie ausgeprägt ist sie?

Für eine operative Therapieentscheidung kommt jedoch eine weitere Frage hinzu:

Warum verengen sich die Atemwege bei dieser Patientin oder diesem Patienten?

Hierfür müssen die individuellen anatomischen Verhältnisse untersucht werden.

Anatomische Diagnostik
bei obstruktiver Schlafapnoe

Die oberen Atemwege bestehen aus einem komplexen Zusammenspiel von knöchernen Strukturen, Muskeln und Weichteilen.

Bei einer weiterführenden Untersuchung können deshalb unter anderem betrachtet werden:

  • Oberkiefer
  • Unterkiefer
  • Zunge
  • Mundboden
  • Rachenraum
  • Nasen- und Rachenstrukturen

Ziel ist es herauszufinden, welche anatomischen Faktoren zur Atemwegsverengung beitragen könnten.

3D-Diagnostik vor einer
kieferchirurgischen Behandlung

Wenn geprüft werden soll, ob eine kieferchirurgische Behandlung infrage kommt, kann eine dreidimensionale Analyse der Kiefer- und Gesichtsstrukturen sinnvoll sein.

Bei MCLINIC kommen hierfür unter anderem moderne digitale bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Digitale Volumentomografie (DVT)

Die DVT ermöglicht eine dreidimensionale Darstellung der knöchernen Strukturen des Gesichtsschädels.

Dadurch lassen sich beispielsweise:

  • Position von Ober- und Unterkiefer
  • knöcherne Anatomie
  • räumliche Verhältnisse
  • relevante Strukturen für die Operationsplanung

präzise beurteilen.

3D-Fotogrammetrie

Ergänzend kann die Gesichtsoberfläche dreidimensional erfasst werden.

Dadurch können Veränderungen der Kieferposition nicht nur funktionell, sondern auch im Hinblick auf mögliche Auswirkungen auf die Gesichtsproportionen geplant und visualisiert werden.

Können die Atemwege
dreidimensional beurteilt werden?

Dreidimensionale Bildgebung kann wichtige Informationen über die räumlichen Verhältnisse der oberen Atemwege liefern.

Insbesondere bei der Planung einer Kiefervorverlagerung kann untersucht werden, wie die Kieferposition mit dem verfügbaren Atemwegsraum zusammenhängt.

Dabei ist wichtig:

Eine dreidimensionale Aufnahme während des Wachzustands ersetzt keine Schlafdiagnostik.

Sie liefert anatomische Informationen, während Schlaflabor beziehungsweise schlafmedizinische Messungen die tatsächliche Atmungsstörung während des Schlafs erfassen.

Beide Untersuchungsbereiche beantworten somit unterschiedliche Fragen.

Wie wird festgestellt, ob eine
Kiefervorverlagerung sinnvoll sein könnte?

Die Entscheidung für eine kieferchirurgische Behandlung basiert nicht auf einem einzelnen Messwert.

Berücksichtigt werden unter anderem:

  • gesicherte schlafmedizinische Diagnose
  • Schweregrad der Schlafapnoe
  • bisherige Therapien
  • Verträglichkeit und Wirksamkeit konservativer Verfahren
  • individuelle Kieferposition
  • Anatomie der oberen Atemwege
  • allgemeiner Gesundheitszustand
  • Nutzen und Risiken einer Operation

Erst aus der Kombination dieser Informationen lässt sich beurteilen, ob eine operative Erweiterung der Atemwege eine geeignete Behandlungsoption sein könnte.

Diagnose bei
CPAP-Unverträglichkeit

Auch wenn eine Schlafapnoe bereits diagnostiziert wurde und eine CPAP-Therapie begonnen wurde, kann eine erneute oder ergänzende Untersuchung sinnvoll sein, wenn die Therapie nicht ausreichend angewendet werden kann.

Dabei sollte zunächst geklärt werden, warum CPAP Schwierigkeiten verursacht und ob sich die Therapie optimieren lässt.

Wenn CPAP trotz entsprechender Maßnahmen nicht ausreichend toleriert wird, können abhängig von Schweregrad und individueller Anatomie alternative Verfahren geprüft werden.

Von der Diagnose
zur individuellen Behandlung

Nach Abschluss der Diagnostik wird entschieden, welche Therapie zur individuellen Situation passt.

Mögliche Behandlungswege umfassen unter anderem:

  • CPAP-Therapie
  • Unterkieferprotrusionsschiene
  • Veränderung beeinflussbarer Risikofaktoren
  • ausgewählte HNO-chirurgische Verfahren
  • kieferchirurgische Verfahren

Bei anatomisch bedingter Verengung der oberen Atemwege kann bei geeigneten Patient*innen eine Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer geprüft werden.

Fazit:
Diagnose und Ursachenanalyse gehören zusammen

Die Diagnose einer obstruktiven Schlafapnoe beginnt mit der schlafmedizinischen Untersuchung. Sie zeigt, ob Atemaussetzer auftreten, wie häufig sie vorkommen und wie stark der Schlaf dadurch beeinträchtigt wird.

Der AHI ist dabei ein wichtiger Messwert, bildet die Erkrankung aber nicht vollständig ab.

Soll eine operative Behandlung geprüft werden, ist zusätzlich eine genaue Analyse der individuellen Anatomie erforderlich. Moderne dreidimensionale Bildgebung kann dabei helfen, die Position der Kiefer und die räumlichen Verhältnisse der Atemwege zu beurteilen und einen möglichen Eingriff präzise zu planen.

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