CPAP-Alternativen bei Schlafapnoe: Welche Möglichkeiten gibt es?
Eine obstruktive Schlafapnoe bleibt häufig lange unentdeckt. Viele Betroffene bemerken ihre nächtlichen Atemaussetzer selbst nicht und kennen auch die anderen Anzeichen nicht.
- Warum wird CPAP bei Schlafapnoe eingesetzt?
- Warum kommen manche Patient*innen mit CPAP nicht zurecht?
- CPAP unverträglich: was sollte zuerst geprüft werden?
- Welche Alternativen zu CPAP gibt es?
- Unterkieferprotrusionsschiene als CPAP-Alternative
- Lagerungstherapie bei Positionsabhängiger Schlafapnoe
- Gewichtsreduktion als Bestandteil der Behandlung
- Gibt es operative alternativen zu CPAP?
- Kiefervorverlagerung als operative CPAP-Alternative
- Für wen kann eine Kiefervorverlagerung infrage kommen?
- CPAP, Schiene oder Operation: wo liegen die Unterschiede?
- Ist eine Operation besser als CPAP?
- Kann man CPAP nach einer operation absetzen?
- Welche Risiken hat eine operative CPAP-Alternative?
- Wie wird geprüft, welche CPAP-Alternative geeignet ist?
- Wann sollte ich mich zu einer operativen Alternative beraten lassen?
- Fazit
Die CPAP-Therapie ist eine etablierte und wirksame Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe. Sie hält die oberen Atemwege während des Schlafs durch einen kontinuierlichen positiven Luftdruck offen und kann dadurch Atemaussetzer deutlich reduzieren.
Nicht alle Patient*innen kommen jedoch dauerhaft mit der nächtlichen Atemmaske zurecht. Druckstellen, trockene Schleimhäute, Luftleckagen oder ein störendes Maskengefühl können die regelmäßige Anwendung erschweren.
Wenn CPAP trotz Anpassungsversuchen nicht ausreichend toleriert oder angewendet werden kann, stellt sich deshalb häufig die Frage: Welche Alternativen gibt es?
Je nach Schweregrad, Ursache und individuellen anatomischen Voraussetzungen kommen unterschiedliche Behandlungsverfahren infrage – von Unterkieferprotrusionsschienen bis zu operativen Verfahren.
Warum wird CPAP
bei Schlafapnoe eingesetzt?
Bei einer obstruktiven Schlafapnoe verengen oder verschließen sich die oberen Atemwege während des Schlafs wiederholt.
Die CPAP-Therapie setzt diesem Kollaps einen positiven Luftdruck entgegen.
Über eine Maske wird während des Schlafs kontinuierlich Luft in die Atemwege geleitet. Der dadurch entstehende Druck stabilisiert die oberen Atemwege und hält sie offen.
Der große Vorteil: Die Methode kann sehr wirksam sein, ohne dass ein operativer Eingriff notwendig ist.
Die Wirkung besteht allerdings während der Anwendung. Die Maske muss deshalb regelmäßig während des Schlafs getragen werden.
Warum kommen manche Patient*innen
mit CPAP nicht zurecht?
Die Gründe für Schwierigkeiten mit der CPAP-Therapie sind unterschiedlich.
Zu den häufig berichteten Problemen gehören:
- unangenehmes Maskengefühl
- Druckstellen im Gesicht
- Luftleckagen
- trockener Mund
- trockene oder gereizte Nasenschleimhäute
- Probleme beim Ein- oder Durchschlafen
- Schwierigkeiten mit dem Luftdruck
- Platzangst oder Beklemmungsgefühl
- Einschränkungen beim Wechsel der Schlafposition
Ein Problem mit der CPAP-Therapie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass CPAP grundsätzlich ungeeignet ist.
Oft lohnt es sich zunächst zu prüfen, wodurch die Beschwerden verursacht werden.
CPAP unverträglich:
Was sollte zuerst geprüft werden?
Bevor auf eine andere Therapie gewechselt wird, sollte untersucht werden, ob sich die CPAP-Behandlung verbessern lässt.
Mögliche Ansatzpunkte sind beispielsweise:
Andere Maskenform
Nasenmasken, Nasenpolstermasken und Mund-Nasen-Masken unterscheiden sich hinsichtlich Passform und Tragegefühl.
Ein Wechsel kann Beschwerden reduzieren.
Maskensitz optimieren
Eine schlecht sitzende Maske kann Druckstellen oder Luftleckagen verursachen. Eine erneute Anpassung kann die Verträglichkeit verbessern.
Luftbefeuchtung
Bei trockenen Schleimhäuten kann eine Befeuchtung der Atemluft hilfreich sein.
Therapieeinstellungen überprüfen
Auch die Druckeinstellungen können Einfluss auf den Komfort haben und sollten bei Problemen fachlich überprüft werden.
Erst wenn eine ausreichende Anwendung trotz geeigneter Optimierungsmaßnahmen nicht gelingt, gewinnen alternative Therapien besondere Bedeutung.
Welche Alternativen
zu CPAP gibt es?
Eine universelle Alternative zur CPAP-Maske gibt es nicht.
Welche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem ab von:
- Schweregrad der Schlafapnoe
- Ursache der Atemwegsverengung
- Kiefer- und Atemwegsanatomie
- Körpergewicht
- Schlafposition
- Begleiterkrankungen
- bisheriger Therapie
- individuellen Beschwerden
Zu den möglichen Alternativen beziehungsweise ergänzenden Therapien gehören:
- Unterkieferprotrusionsschienen
- Lagerungstherapie
- Gewichtsreduktion und Behandlung beeinflussbarer Risikofaktoren
- ausgewählte operative Verfahren
- kieferchirurgische Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer
Bei geeigneten Patient*innen kann eine Unterkieferprotrusionsschiene eine Alternative darstellen.
Die Schiene wird während des Schlafs getragen und hält den Unterkiefer in einer weiter vorne liegenden Position.
Dadurch können sich die räumlichen Verhältnisse im Bereich von Zunge und Rachen verändern und die oberen Atemwege stabilisiert werden.
Eine solche Schiene kommt insbesondere bei bestimmten Patient*innen mit leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe infrage. Auch bei CPAP-Unverträglichkeit kann sie abhängig vom individuellen Befund geprüft werden.
Voraussetzung sind unter anderem geeignete Zahn-, Kiefer- und Mundverhältnisse.
Lagerungstherapie bei
positionsabhängiger Schlafapnoe
Bei manchen Patient*innen treten Atemaussetzer überwiegend oder deutlich verstärkt in Rückenlage auf.
Liegt eine solche positionsabhängige Schlafapnoe vor, kann eine Lagerungstherapie sinnvoll sein.
Ziel ist es, die Rückenlage während des Schlafs zu reduzieren.
Ob eine solche Therapie geeignet ist, lässt sich anhand der Schlafdiagnostik beurteilen.
Gewichtsreduktion als
Bestandteil der Behandlung
Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für obstruktive Schlafapnoe.
Bei übergewichtigen Patient*innen kann eine Gewichtsreduktion deshalb zu einer Verbesserung der Erkrankung beitragen.
Sie kann Bestandteil eines umfassenden Therapiekonzepts sein und gegebenenfalls mit anderen Verfahren kombiniert werden.
Eine bestehende behandlungsbedürftige Schlafapnoe sollte jedoch nicht ohne ärztliche Rücksprache allein durch den Versuch einer Gewichtsreduktion behandelt werden.
Gibt es operative Alternativen
zu CPAP?
Ja. Bei ausgewählten Patient*innen können operative Verfahren eine Alternative oder Bestandteil der Behandlung sein.
Dabei ist entscheidend, wo und warum sich die Atemwege verengen.
Je nach Anatomie können unterschiedliche Bereiche relevant sein:
- Nase
- Gaumen
- Rachen
- Zungengrund
- Ober- und Unterkiefer
Deshalb gibt es nicht die eine Operation, die CPAP generell ersetzen kann.
Eine operative Therapie muss gezielt zur individuellen Ursache der Atemwegsverengung passen.
Kiefervorverlagerung als
operative CPAP-Alternative
Bei bestimmten Patient*innen spielt die Position von Ober- und Unterkiefer eine wesentliche Rolle für die Verengung der oberen Atemwege.
In solchen Fällen kann eine chirurgische Vorverlagerung beider Kiefer geprüft werden.
Das Verfahren wird als Maxillomandibular Advancement (MMA) bezeichnet.
Dabei werden Ober- und Unterkiefer operativ nach vorne verlagert. Dadurch können auch die mit den Kieferstrukturen verbundenen Weichteile und der Mundboden nach vorne verlagert und der verfügbare Raum der oberen Atemwege erweitert werden.
Im Unterschied zur CPAP-Therapie wird der Atemweg somit nicht während jeder Nacht durch Luftdruck offengehalten. Ziel der Operation ist vielmehr eine dauerhafte Veränderung der anatomischen Verhältnisse.
Für wen kann eine
Kiefervorverlagerung infrage kommen?
Die Kiefervorverlagerung ist ein umfangreicher chirurgischer Eingriff und keine allgemeine Alternative für alle Patient*innen, die CPAP als unangenehm empfinden.
Eine operative Therapie kann insbesondere geprüft werden, wenn:
- eine obstruktive Schlafapnoe sicher diagnostiziert wurde
- eine relevante anatomische Verengung der Atemwege besteht
- die Kieferposition für die Atemwegsverhältnisse relevant ist
- CPAP trotz Optimierungsversuchen nicht ausreichend angewendet werden kann oder andere Gründe für die Prüfung einer alternativen Therapie bestehen
- andere geeignete Therapieoptionen berücksichtigt wurden
- der zu erwartende Nutzen die individuellen Operationsrisiken rechtfertigt
Die Entscheidung setzt deshalb eine umfassende schlafmedizinische und anatomische Diagnostik voraus.
CPAP, Schiene oder Operation:
Wo liegen die Unterschiede?
CPAP
- arbeitet mit positivem Luftdruck
- Maske während des Schlafs
- nicht invasiv
- Wirkung während der Anwendung
- besonders etablierte Therapie bei mittelgradiger/schwerer OSA
- keine OP-Risiken
Unterkieferschiene
- verlagert den Unterkiefer während des Schlafs
- Schiene während des Schlafs
- nicht operativ
- Wirkung während der Anwendung
- für geeignete Patient*innen
- mögliche Zahn-/Kiefernebenwirkungen
Kiefervorverlagerung
- verändert die Kieferposition operativ
- keine nächtliche Anwendung aufgrund der Operation
- chirurgischer Eingriff
- Ziel ist eine dauerhafte anatomische Veränderung
- nur für ausgewählte Patient*innen
- relevante OP- und Heilungsrisiken
Welche Option sinnvoll ist, lässt sich nicht allein anhand des persönlichen Komforts entscheiden.
Ist eine Operation
besser als CPAP?
Nicht grundsätzlich.
CPAP und eine Kiefervorverlagerung verfolgen unterschiedliche therapeutische Ansätze.
CPAP kann die Atemwege sehr wirksam offenhalten und vermeidet die Risiken eines chirurgischen Eingriffs.
Eine Kiefervorverlagerung kann dagegen bei geeigneter Anatomie unmittelbar an strukturellen Faktoren der Atemwegsverengung ansetzen, erfordert aber eine umfangreiche Operation.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:
„Welche Therapie ist besser?“
Sondern:
„Welche Therapie passt zu Ursache, Schweregrad und individueller Situation meiner Schlafapnoe?“
Kann man CPAP
nach einer Operation absetzen?
Das lässt sich vor einer Operation nicht pauschal garantieren.
Eine erfolgreiche operative Behandlung kann den Schweregrad der Schlafapnoe deutlich reduzieren. Ob danach keine CPAP-Therapie mehr erforderlich ist, muss durch eine erneute schlafmedizinische Untersuchung beurteilt werden.
Eine subjektive Verbesserung von Schnarchen, Schlafqualität oder Tagesmüdigkeit reicht nicht aus, um den Behandlungserfolg sicher festzustellen.
Entscheidend sind objektive Kontrolluntersuchungen.
Welche Risiken hat eine
operative CPAP-Alternative?
Bei der Entscheidung zwischen einer konservativen und einer operativen Behandlung müssen die unterschiedlichen Belastungen und Risiken berücksichtigt werden.
Eine Kiefervorverlagerung kann unter anderem verbunden sein mit:
- Schmerzen und Schwellungen
- Blutungen
- Infektionen
- Wundheilungsstörungen
- vorübergehenden oder länger bestehenden Sensibilitätsstörungen
- Veränderungen des Bisses
- Veränderungen der Gesichtsproportionen
Diesen Risiken steht bei geeigneten Patient*innen die Möglichkeit einer erheblichen Verbesserung der Atemwegsverhältnisse gegenüber.
Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung ist deshalb unverzichtbar.
Wie wird geprüft, welche
CPAP-Alternative geeignet ist?
Die Auswahl einer alternativen Therapie sollte nicht mit der Frage beginnen, welches Verfahren gewünscht wird, sondern mit der Frage, warum die Atemwege kollabieren.
Dafür können mehrere Informationen notwendig sein:
- aktuelle Schlafdiagnostik
- AHI und weitere schlafmedizinische Messwerte
- bisherige CPAP-Therapie und Gründe für Schwierigkeiten
- allgemeiner Gesundheitszustand
- Untersuchung von Nase, Mund und Rachen
- Zahn- und Kieferstatus
- Kieferposition
- anatomische Verhältnisse der oberen Atemwege
Soll eine kieferchirurgische Behandlung geprüft werden, kann die Diagnostik durch dreidimensionale Bildgebung ergänzt werden.
Bei MCLINIC können dafür unter anderem Digitale Volumentomografie (DVT), 3D-Fotogrammetrie und eine virtuelle Operationsplanung eingesetzt werden.
Wann sollte ich mich zu einer
operativen Alternative beraten lassen?
Eine kieferchirurgische Beurteilung kann insbesondere interessant sein, wenn bereits eine obstruktive Schlafapnoe diagnostiziert wurde und gleichzeitig Hinweise auf eine relevante anatomische Komponente bestehen.
Das kann beispielsweise bei bestimmten Kieferpositionen oder ausgeprägten räumlichen Einschränkungen der oberen Atemwege der Fall sein.
Auch Patient*innen mit mittelgradiger oder schwerer Schlafapnoe, bei denen eine CPAP-Therapie trotz Optimierungsversuchen dauerhaft nicht ausreichend anwendbar ist, können sich über mögliche alternative Behandlungswege informieren.
Ob eine Operation tatsächlich sinnvoll ist, entscheidet sich jedoch erst nach individueller Diagnostik.
Fazit:
CPAP nicht vertragen bedeutet nicht automatisch Operation
Wer mit einer CPAP-Maske nicht zurechtkommt, hat je nach individueller Situation verschiedene Möglichkeiten.
Zunächst sollte geklärt werden, ob sich die CPAP-Therapie durch eine andere Maske, optimierte Einstellungen oder unterstützende Maßnahmen besser verträglich gestalten lässt.
Ist eine ausreichende Anwendung dennoch nicht möglich, können unter anderem Unterkieferprotrusionsschienen, Lagerungstherapie und bei ausgewählten Patient*innen operative Verfahren geprüft werden.
Bei einer relevanten anatomischen Verengung der oberen Atemwege kann die chirurgische Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer eine mögliche Behandlungsoption darstellen. Voraussetzung ist eine sorgfältige schlafmedizinische und kieferchirurgische Diagnostik.
Ihre
Expert*innen
Prof. Dr. med. Dr. med. dent.
Denys J. Loeffelbein
Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Oralchirurgie, Plastische Operationen, Ärztlicher und Zahnärztlicher Leiter
Priv.-Doz. Dr. med.
Daniel Lonic, M.D. (USA)
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie, Ärztlicher Leiter
Dr. med. univ. Dr. med. dent.
Hannes Wegner
Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie
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