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Dysgnathie – Ursachen, Behandlung, Operation und Nachsorge

Was ist eine Dysgnathie? Überblick zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Behandlung von Kieferfehlstellungen verständlich erklärt.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines zur Dysgnathie

Unter einer Dysgnathie versteht man eine Fehlstellung der Kiefer, die den Biss (Okklusion) und die Proportionen von Gesicht und Profil beeinflussen kann. Betroffen sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene – je nach Ausprägung mit unterschiedlich starkem Leidensdruck. Während bei manchen Patient*innen funktionelle Einschränkungen wie Kaubeschwerden, Sprachstörungen, Atemprobleme oder Schlafapnoe besonders stark vorliegen, empfinden andere das unausgewogene Profil oder ein disharmonisches Lächeln als unästhetisch und belastend.

Kieferfehlstellungen sind nicht nur ein Zahn- bzw. Kieferproblem, sondern betreffen den gesamten Gesichtsbereich: Fehlstellungen können die Atemwege verengen, die Lippenlinie verändern, das Kinn zurückstehen oder hervorstehen lassen und so das harmonische Zusammenspiel der Gesichtszüge stören.

Dank modernster Diagnostik, computergestützter Planung und präziser Operationstechniken lässt sich heute sowohl die Funktion als auch die Ästhetik nachhaltig und sicher korrigieren. Die Behandlung erfordert jedoch ein interdisziplinäres Team und hohe chirurgische Expertise.

Alles zu Kieferfehl­stellungen

Egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene – auf unserer Fachbereichsseite finden Sie alle Informationen im praktischen Überblick.

Gründe für eine
Dysgnathie-Behandlung

Der Entschluss zur Behandlung einer Kieferfehlstellung ist individuell. Häufige Gründe sind:

Funktionelle Beschwerden

Ästhetische Gründe

Hier setzt die Dysgnathie-Chirurgie an. Durch die operative Korrektur lassen sich die Kaufunktion optimieren, die Atemwege verbessern und auch das ästhetische Gesamtbild nachhaltig verbessern und so die Lebensqualität und das Selbstbewusstsein steigern.

Methoden der
Dysgnathie-Chirurgie

Ziel der Dysgnathie-Chirurgie ist die präzise, stabile Repositionierung des Oberkiefers, Unterkiefers oder beider Kiefer. Dabei werden Knochenabschnitte kontrolliert gelöst und in die geplante Position verlagert – millimetergenau mithilfe computergestützter 3D-Planung.

Korrektur des Oberkiefers (Le-Fort-Osteotomie)

  • Erweiterung eines zu schmalen Oberkiefers
  • Korrektur von Rücklage oder exponiertem Oberkiefer, z.B. Zahnfleischlächeln
  • Verbesserung von Biss, Lächeln und Nasenatmung

Korrektur des Unterkiefers (BSSO-Osteotomie)

  • Verlängerung oder Verkürzung des Unterkiefers
  • Korrektur bei fliehendem oder vorstehendem Kinn
  • Stabilisierung der Kiefergelenkfunktion

Bimaxilläre Operation (Beide Kiefer)

Wird eingesetzt, wenn Ober- und Unterkiefer gemeinsam harmonisiert werden müssen, um Biss, Profil und Proportionen optimal aufeinander abzustimmen.

Ergänzende Maßnahmen

Je nach Profil kann zusätzlich eine ästhetische Kinnkorrektur (Genioplastik) oder Profiloptimierung erfolgen, um so die funktionellen Korrekturen durch ästhetische Harmonisierungsmaßnahmen zu begleiten. 

Ärztliche
Beratung

Die Diagnostik sollte immer in enger Abstimmung und interdisziplinär zwischen Kieferorthopädie und MKG-Chirurgie und ggf. auch HNO-Heilkunde erfolgen. Das Beratungsgespräch umfasst:

  • Detaillierte Analyse von Biss, Gesicht, Kiefergelenk und Atemwegen
  • 3D-Bildgebung und computergestützte Behandlungsplanung
  • Abstimmung zwischen kieferorthopädischer Vorbereitung und Operation
  • Aufklärung zu Ablauf, Risiken, Heilung und erwartbarem Ergebnis

Ablauf der
Behandlung

Die Behandlung von Kieferfehlstellungen verläuft in klar definierten Phasen in enger Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopädie (KFO) und Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie (MKG). Je nach Ausgangsbefund erstreckt sich die Dysgnathie-Behandlung  über durchschnittlich ein bis zwei Jahre – dieser Zeitraum sollte unbedingt auch für die private Lebensplanung berücksichtigt werden.

Gemeinsame Planung (KFO + MKG)

Zu Beginn erfolgt eine interdisziplinäre Diagnostik mit Analyse von Biss, Kieferposition, Profil und Atemwegen. Auf dieser Basis wird der gesamte Behandlungsweg abgestimmt.

Dauer:
ca. 4–6 Wochen

1
Chirurgische Vorbereitung, falls notwendig (MKG)

Bevor die Zahnkorrektur beginnt, können vorbereitende Eingriffe notwendig sein, z. B.:

  • Entfernung von Zähnen (z. B. Weisheitszähne)
  • Freilegung von Zähnen
  • Gaumennahterweiterung zur Verbreiterung des Oberkiefers


Dauer:
durchschnittlich 1–3 Monate

2
Kieferorthopädische Vorbehandlung (KFO)

Mit einer festen Zahnspange oder Alignern werden die Zahnbögen so ausgerichtet, dass der Kiefer später präzise operativ repositioniert werden kann.

Dauer:
durchschnittlich 6–12 Monate

3
Kieferchirurgische Phase (MKG)

Etwa 6-15 Monate nach Behandlungsbeginn erfolgt die kieferchirurgische Behandlungsphase inkl. computergestützter 3D-Diagnostik und OP-Planung. Anschließend findet die Umstellungsoperation (Kieferverlagerung) statt. Es folgt eine 2-4-wöchige Heilungsphase.

Dauer: durchschnittlich 3–6 Wochen

4
Postoperative Feinjustierung (KFO)

Nach der OP wird der Biss detailliert nachkorrigiert, bis Ober- und Unterkiefer perfekt ineinandergreifen.

Dauer:
durchschnittlich 3–6 Monate

5
Nachfolgende Eingriffe, falls notwendig (MKG)

In dieser Phase können Materialien (Titanplatten/Schrauben) entfernt oder ergänzende Eingriffe durchgeführt werden:

  • Entfernen der Platten/Schrauben
  • Funktionelle Korrekturen (z. B. Nasenseptum)
  • Ästhetische Profiloptimierungen (z. B. Kinn)


Dauer:
durchschnittlich 1-3 Wochen

6
Retentionsphase (KFO)

Zum langfristigen Erhalt des Ergebnisses wird eine Retention mit Zahnspange oder Retainer durchgeführt, um das Resultat dauerhaft zu stabilisieren.

Dauer:
mindestens 12 Monate, in der Regel lebenslang

7

Heilungsverlauf
und Nachsorge

Die Erholung verläuft stufenweise:

Heilungsphasen

  • 1. Woche: Schwellung, eingeschränkte Mundöffnung, weiche Kost, Kühlung, Mundhygiene mit Spülungen.

  • 2.–4. Woche: Rückgang der Schwellung, Kontrolltermine, vorsichtig zunehmende Belastung, weiche Kost, keine körperliche Anstrengung.

  • 5.–8. Woche: Funktion stabilisiert sich, sportliche Schonung, langsame Umstellung auf festere Nahrung.

  • Ab 3. Monat: Finale Bissstabilisierung, weitere kieferorthopädische Feineinstellung.

Nachsorge-Tipps

  • Weiche Kost bis zur Freigabe

  • Konsequente Mundhygiene (auch mit Spüllösungen)

  • Keine Belastung (Sport, Druck auf Kiefer)

  • Kühlung in den ersten Tagen

  • Regelmäßige Nachkontrollen

Risiken
und Komplikationen

Allgemeine OP-Risiken

  • Blutergüsse, Nachblutungen
  • Infektionen
  • Wundheilungsstörungen
  • Thrombose oder Narkosekomplikationen

Vorübergehende Beschwerden

  • Schwellung, Spannungsgefühl
  • Empfindungsstörungen (z. B. Unterlippe)
  • Einschränkungen beim Kauen, Sprechen

Langfristige Risiken

  • Sensibilitätsveränderungen im Unterkieferbereich
  • Lockerung der Platten/Schrauben
  • Rezidive bei schwerer Fehlstellung (selten)

Psychische
Aspekte

Der Eingriff beeinflusst das Gesicht, die Atemwege und das Kauorgan sichtbar und dauerhaft – zum Positiven –  das ist für viele Patient*innen auch emotional bedeutsam. Ein realistisches Verständnis der Veränderungen ist entscheidend, um sich später mit dem neuen Profil und Biss wohlzufühlen. Gute Aufklärung verhindert enttäuschte Erwartungen und stärkt die mentale Vorbereitung.

Tipps
zur Arztwahl

  • Behandlung durch Fachärzt*innen für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie (MKG)
  • Mehrjährige Spezialisierung in Dysgnathie-Chirurgie
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Kieferorthopädie
  • Computergestützte 3D-Planung
  • Nachweisbare Behandlungserfahrung und Ergebnisse

Häufig gestellt Fragen
FAQ

Wie lange dauert die gesamte Behandlung?

In der Regel 1–3 Jahre inklusive kieferorthopädischer Begleitung, abhängig vom Schweregrad der Dysgnathie.

Nein, die Schnitte erfolgen im Mund und sind daher in der Regel nicht sichtbar.

Ja, allerdings stufenweise: zunächst weiche Kost, später normale Nahrung.

Bei verengten Atemwegen häufig deutlich – insbesondere bei Schlafapnoe.

Bei medizinischer Notwendigkeit in vielen Fällen ja – abhängig vom Befund und Versicherungsstatus.

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